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Tausendmal hab ich Benno erklärt, dass er nicht an meinen Schuhen kauen soll. Mein Hund hört einfach nicht! Warum macht Benno denn nicht das, was er soll? Versteht er mich denn nicht? Was ist da nur schief gelaufen? Vielleicht müssen wir mit ihm in eine Hundeschule! Aber dafür ist es sicherlich schon zu spät. Hätten wir doch nur dieses Buch über Hundeerziehung gekauft!

Wie oft hören wir diese Sätze von uns oder anderen Hundebesitzern? Zuallererst sollte uns einmal klar werden: Unser Hund macht nicht mit Absicht Sachen falsch oder kaputt. Er ist derjenige, der sich in unser Leben einpassen will und versucht, alles richtig zu machen. Sehen wir das Verhalten nicht als richtig an oder passt es nicht in das Zusammenleben mit Menschen in Drinnen und Draußen, dann hat Benno einfach nicht gelernt, dass es nicht richtig ist. Und vor allem: Er hat nicht gelernt, WAS das richtige, von uns gewünschte Verhalten wäre. Deswegen ist Hundeerziehung so wichtig. Der Hund hatte, bevor wir ihn zu uns geholt haben, keine Zeit und Möglichkeit uns und unser soziales Verhalten kennen zu lernen. Das müssen wir ihm alles beibringen, sonst lebt der Hund eben nach seinen ureigenen sozialen Regeln, die ihm als Wolf gegeben sind.

Hundeerziehung – Mehr als Befehle ausführen

Wenn ein Hund treu ergeben den ganzen Tag unsere Befehle ausführt und das vielleicht sogar aus Angst vor Strafe, dann ist bei der Hundeerziehung etwas schief gelaufen. Einen Hund zu erziehen sollte mehr sein als nur das reine Konditionieren auf Befehlswort wie „Sitz!“, „Platz!“ oder „Bleib!“.Der Hund sieht uns als Sozialpartner und so sollten wir ihn auch sehen. Er freut sich im Idealfall wirklich auf uns, wenn wir abends von der Arbeit kommen und nicht darauf, dass endlich sein Futternapf gefüllt wird. Schon vor Zehntausenden Jahren zog es die Wölfe in die Nähe der Menschen. Zunächst nur, weil sie die Siedlungen mit ihren Vorräten als neue Nahrungsquelle betrachteten. Später halfen sie den Menschen bei der Haltung von Schafen und Ziegen in Herden. Die Wölfe haben sich also im Prinzip ein ganzes Stück weit selbst domestiziert, weil die Großfamilenverbände und das soziale Verhalten der Menschen doch in entscheidenden Teilen dem wölfischen Sozialverhalten ähnelten. Auch unsere Hunde tragen noch sehr viel von diesem Sozialverhalten in sich und es liegt an uns, sie zu Partnern zu erziehen und nicht zu Dienern. Natürlich gilt das nur für unsere Familienhunde. Hunde, die besondere Tätigkeiten ausführen benötigen einen anderen Erziehungsstil. Aber wir sollten unsere Hunde erziehen wie wir Kinder erziehen würden. Ein Hund soll zu uns kommen, wenn wir rufen, soll sich ruhig verhalten, wenn die Situation es verlangt, soll andere Menschen oder Hunde nicht angreifen und stubenrein werden. Das alles bringen wir unseren Kindern doch auch bei, oder?

Hundeerziehung – Die wichtigsten Grundlagen

Wir können nicht in einem Blogartikel das komplette Thema Hundeerziehung in all seinen Details und unterschiedlichen Methoden abhandeln. Das würde ein ganzes Buch füllen. Doch wir wollen euch hier die wichtigsten allgemeinen Grundlagen bzw. Grundregeln der Erziehung des Hundes und die häufigsten Fehler, die beim Erziehen gemacht werden, nahe bringen. Es werden noch viele weitere Beiträge in unserem Blog folgen, in denen wir uns einzelnen Themen der Hundeerziehung widmen.

Das Wichtigste vorab: Mit der Erziehung kann man nicht früh genug beginnen. Auch wenn uns unser neuer Welpe mit großen Augen anschaut und wir hin und weg sind, weil er so putzig spielt und tapsig seine neue Welt erkundet: Welpenschutz gilt hier nicht. Auch im Welpenalter lernt der Hund, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass er nichts kapiert. Ihr könnt davon ausgehen, dass ein Hund in seinem ersten Jahr soviel lernt und eine Entwicklung durchläuft wie ein mensch in seinen ersten 14 Jahren.

Sozialisierung des Hundes

Für den Hund ist es wichtig, dass er auch Kontakt mit Artgenossen hat. Ist er immer nur mit uns Menschen zusammen und trifft nie auf andere Hunde,wird er vereinsamen und verhaltensauffällig werden. Auch bei der Erziehung und beim Heranwachsen des Hundes ist es sinnvoll, dass er mit Artgenossen zusammen ist und so den Umgang untereinander lernt. Am besten ihr habt Freunde, die auch Hundebesitzer sind oder alternativ lohnt sich der Besuch in einer Hundeschule. Ebenso schlecht ist es für euren neuen Liebling, wenn er quasi den ganzen Tag in der Wohnung verbringt. Wer keine Zeit für einen Hund hat, sollte sich auch keinen anschaffen.

Rangordnung muss sein

Auch wenn wir oben schreiben, dass das Zusammenleben mit einem Hund eine Partnerschaft darstellt, ist die Rangordnung wichtig. Auch im Rudel gibt es klare Rangordungen, daher ist es nichts Unnatürliches für euren Vierbeiner, wenn ihr von Anfang an klar macht, wer der Herr im Haus ist. Ihr esst zuerst, ihr geht als erstes durch die Tür, es ist euer Sofa!

Konsequenz ist das A&O

Wenn ihr eurem Hund beibringt, was das richtige Verhalten ist oder wie er auf einen Befehl reagieren soll, bleibt immer konsequent! Erstens kann es den Hund verstören, wenn ihr mit zum Beispiel immer anderen Worten immer dasselbe von ihm wollt. Zweitens dürft ihr auf keinen Fall Ausnahmen machen. Es gibt grundsätzlich am Tisch kein Essen für den Hund, und zwar immer. Auch wenn er euch bettelnd anschaut, solltet ihr nicht weich werden. Er wird euer Schwach-Werden nicht böswillig ausnutzen, er lernt einfach nicht, dass ein Verhalten nicht richtig ist.

Loben, loben, loben

Lobt euren Hund,, wenn er etwas richtig gemacht. Versucht, die Hundeerziehung nicht komplett über Leckerli laufen zu lassen. Auch ein Streicheln oder Zusammen Spielen kann ein Lob für den Hund sein. Hunde erkennen an unserem Verhalten und der Tonlage unserer Stimme, ob er gerade etwas richtig gemacht hat oder nicht. Ihr müsst auch direkt nach einer Aktion loben, sonst ist es für den Hund nicht mehr zuordbar, wofür er jetzt Lob bekommt. lauft ihr zum Beispiel in die Küche, um ein Leckerli zu holen und schenkt euch erst noch einen Kaffee ein, ehe ihr zurückkehrt, sind für den Hund schon wieder tausend andere interessante Sachen passiert.

Niemals schlagen!

Bitte bestraft euren Hund nicht und schon gar nicht mit Schlägen. Es gibt bei der Hundeerziehung im Prinzip zwei Lager. Das eine setzt auf Hundeerziehung ohne Bestrafungen und das andere sieht Bestrafungen (in einem angemessenen Maß) als Notwendigkeit. Mit Schlägen setzt ihr das Tier unter Stress und erreicht nur Angst, kein Vertrauen.

Erziehung Hundewelpe

Häufige Fehler bei der Hundeerziehung

Einige der schlimmsten Fehler bei der Hundeerziehung ergeben sich aus den Grundsätzen, andere´aus unserem menschlichen Verhalten, der Unkenntnis über die Sprache unseres Hundes oder den Einsatz der falschen Mittel. Häufige Fehler sind:

Gnadenfrist für Welpen

gebt den kleinen süßen Hundebabys keine Gnadenfrist. Was Benno im jungen Alter nicht lernt, lernt er nur schwer später. Außerdem gewöhnt er sich gleich in klare Strukturen ein und wird nicht mit Abwurf des Niedlichkeitsfaktors ins kalte Wasser der Hundeerziehung geworfen und darf auf einmal ganz viele Sachen nicht ,mehr.

Zuviel Text

Textet euren Hund nicht zu. Er versteht unsere Sprache sowieso nicht. Ob ihr ihm die ganze Zeit erklärt, dass er etwas falsch gemacht habt oder schimpft über etwas – er wird es nicht verstehen. Versucht, mit ein oder zwei bestimmten Worten klar zu machen, was ihr von ihm wollt. Auch das Reagieren auf falsches Verhalten wie dem betteln am Tisch mit dem Einreden auf den Hund stezt die falschen Signale. Euer Hund hat in dem Moment zwar kein Essen bekommen, aber Aufmerksamkeit. Also wird er dieses Verhalten immer wieder anwenden.

Inkonsequentes Verhalten

Konsequenz ist ganz wichtig, wie wir schon erwähnt haben. Nur so hat der Hund feste Strukturen, in denen er sich zurechtfinden und verhalten kann. Also macht keine Ausnahmen beim gewünschten Verhalten eures Hundes. Wenn er nicht aufs Sofa darf, darf er nie aufs Sofa! Verhaltet euch aber auch selbst konsequent. Wenn ihr mit dem Hund gelernt habt, dass man. bevor man eine Straße überquert kurz anhält, dann macht das immer!

Der Hund ist unterfordert

Eurem Hund wird schnell langweilig, wenn er nur in der Wohnung herumliegt. Er will sich bewegen, aktiv sein, die Welt erkunden. Abwechslungsmöglichkeiten wie wir menschen in Form elektronischer Geräte oder Bücher hat ein Hund nicht. Auch für euch ist Bewegung gut. Nehmt euren Vierbeiner mit auf die Radtour, geht auf Hundeabenteuerspielplätze oder schaut nach Hundespielzeug, welches Benno auch in den vier Wänden geistig fordert.

Sprache des Hundes falsch verstehen

Unsere Hunde können uns Menschen hervorragend lesen und interpretieren. Sie reagieren sehr sensibel auf Körpersprache, etwas, worauf viele uns gar nicht mehr wirklich achten. Andersherum sieht das viel schlechter aus. Wir interpretieren die Körpersprache unseres Familienhundes oftmals komplett falsch. Lernt euren Hund zu lesen. Hier hilft auch schon mal ein Buch, welches die Körpersprache des Hundes erklärt.

Falsche Hilfsmittel

Reißen an der Leine, ein kleiner Schlag mit der Zeitschrift, ein Erziehungsgeschirr oder gar eine Dressurhalskette sind die absolut falschen Methoden und Mittel, um den Hund zu erziehen. Bitte meidet solche Dinge unbedingt. Es geht auch anders! Wie, erklären wir euch in vielen weiteren Beiträgen hier in unserem Blog für den Hunde- und Katzenfreund.

Hundeerziehung – Wichtige Grundregeln
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