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Wenn man sich einen Hund anschafft, stellt man sich nicht nur im Vorhinein viele Fragen, ob man als Hundebesitzer eigentlich geeignet ist und welcher es denn sein soll. Hat man genug Zeit für den Hund? Braucht man eher einen gemütlichen Charakter oder einen sehr lebhaften, mit dem man gemeinsam Sport treiben kann? Soll er zum Kuscheln neigen oder lieber das Haus bewachen? Mit diesem Thema, was man alles beachten muss, ehe man sich überhaupt einen Hund anschafft, beschäftigen wir uns in einem der nächsten Beiträge im Blog genauer. Heute geht es darum, dass man sich schon entscheiden hat und die wichtige Frage auftaucht: Muss ich meinen Hund impfen lassen und welche Impfungen für Hunde sind sinnvoll und benötigt das Tier unbedingt?

Das ist kein ganz einfaches Thema, bei dem unterschiedliche, teils auch etwas veraltete Meinungen, kursieren. Deswegen versuchen wir hier, einen kleinen Überblick zu geben, was euer Hund wirklich an Impfungen braucht.

Warum muss ich meinen Hund impfen lassen?

Hunde, die nicht geimpft werden, haben ein erhöhtes Risiko an bestimmten Krankheiten zu erkranken. Das ist eben einfach ein Fakt, an dem auch absolute Gegner von Impfungen für den Hund nicht vorbeikommen. Deswegen ist es auch in Deutschland seit vielen Jahren üblich, dass schon die Welpen grundimmunisiert werden. Genauso, wie es auch bei neugeborenen Menschen getan wird. Was sich allerdings geändert hat, ist die Ansicht, wie oft und gegen was man Hunde impfen sollte.

Es wird viel über mögliche Nebenwirkungen des Impfens diskutiert. Natürlich können diese nicht ganz ausgeschlossen werden, aber die meisten Hunde können mit den Impfungen wunderbar umgehen. Kleine Risiken bestehen bei Welpen und besonders kleinen Hunden, die eher zu Reaktionen auf Impfstoffe neigen, als robuste ausgewachsene und große Hunde. Als Nebenwirkungen können auftreten: Mattigkeit, Fieber, vorübergehende Appetitlosigkeit und Schmerzen, vor allem in den Gelenken. Größere Nebenwirkungen treten auf, wenn der Hund allergisch reagiert. Dann kann es auch zu juckenden Ausschlägen auf der Haut, Durchfall, Erbrechen, Atemnot und Kopfschwellungen kommen. Allergische Reaktionen und auch die leichten Nebenwirkungen kommen aber ziemlich selten vor.

Viel schlimmer ist es, wenn euer Hund an einer der Krankheiten leidet, und vielleicht sogar stirbt, gegen die eine Impfung hätte erfolgen müssen. Vor allem die Erreger der Hundestaupe, der Leptospirose und der Parvovirose kommen in unseren Gefilden häufig vor. Tollwut und die Ansteckende Leberentzündung werden oft aus anderen Ländern importiert.

Wann muss ich meinen Hund impfen lassen?

Mittlerweile ist sich ein Großteil der Hundeexperten einig: Die meisten Menschen lassen ihren Hund zu oft impfen. Meist gehen wir einmal im Jahr und lassen den Hund impfen. Gegen Staupe, gegen Hepatitis, Zwingerhusten und noch so einige weitere Krankheiten und Infektionen. Dieser Rhythmus entsteht, weil auf den Impfmitteln oft Ein-Jahres-Rhythmen angegeben sind. Und auch viele Tierärzte verschicken immer noch die Erinnerungskarten oder Mails für die jährliche Impfung. Ob allerdings der Impfstoff tatsächlich nur diese angegebene Zeit immunisiert, ist in den meisten Fällen nicht wissenschaftlich erforscht. So sind viele Impfungen nur alle drei Jahre notwendig. Bei der Impfung gegen Hepatitis zum Beispiel kann oftmals nach der Grundimmunisierung auf weitere Nachimpfungen verzichtet werden.

Wichtig ist vor allem die Grundimmunisierung im Welpenalter. Über die Intervalle der weiteren Impfungen stimmt man sich zusammen mit seinem Tierarzt ab. Dafür schaut man sich den Hund und seine Umgebung genauer an und wägt die Risiken ab. So kann man die Entscheidung treffen, gegen welche Krankheiten und Infektionen man den Hund impfen lassen sollte und in welchen Abständen.

Das Prinzip der Impfung einfach erklärt

Ehe ihr euch auf unsere Tabellen und Übersichten stürzt, wollen wir das Prinzip der Impfung erklären. Aus diesem ergibt sich nämlich nicht ganz unwesentlich der Umgang mit der Impfpflicht bzw. der Impfverweigerung. Das Beispiel der Pocken zeigt recht gut das Prinzip der Impfung. Die Pocken, auch Blattern genannt, waren über viele Jahrtausende eine sehr gefährliche Viruserkrankung, die man nicht heilen konnte. Ein Großteil der Bevölkerung erkrankte an den Pocken und so war es zwingend notwendig, häufig und möglichst alle dagegen zu immunisieren.

Dies machte man mit den Kuhpocken, einem nahen Verwandten der Pocken, aber gänzlich ungefährlich für den Menschen. Der Erreger der Kuhpocken machte nichts anderes, als das körpereigene Immunsystem anzuheizen und Abwehrmaßnahmen gegen ihn auszubilden. So waren die Menschen dann auch gegen die gefährlichen Pocken gefeit. Ganz ohne Risiko ging das natürlich auch nicht vonstatten, denn auch die Kuhpocken sind für einige Menschen gefährlich geworden, sie konnten keine Abwehrstoffe ausbilden und wurden von den Kuhpocken dahingerafft. Dies sind aber nur etwa zwei von 1 Million geimpften Personen.

Nach und nach wurde durch die Impfungen das Risiko eingedämmt, an Pocken zu erkranken und der Erreger nahezu ausgerottet. Das heißt, diejenigen, die das Risiko der Impfung auf sich nehmen, helfen nicht nur sich selbst, sondern auch denjenigen helfen, die sich nicht impfen lassen, aus Angst oder auch aus Überzeugung. Das Risiko für eine Erkrankung geht insgesamt zurück und eine gefährliche Krankheit wird ausgerottet. Bei den Pocken führte dies dazu, dass die Pflichtimpfung in den 1970er Jahren aufgehoben werden konnte. Die Pflicht zum Hunde impfen kann man ganz genau so betrachten. Es wird immer überlegt, welche Methoden man einsetzen kann, welcher Impfstoff überhaupt geeignet ist und vergleicht das Risiko mit dem Nutzen. Übersteigt das Risiko der Impfung den Nutzen, dann wird die Impfung optional oder nicht empfohlen.

Die wichtigsten Impfungen für Hunde

In Deutschland gibt es verpflichtende Impfungen für Hunde. Das sind die sogenannten Core-Impfungen. Gegen einige andere Erkrankungen wie den Zwingerhusten kann man den Hund impfen lassen, muss es aber nicht. Diese Impfungen nennt man Non-Core-Impfungen. Wir wollen versuchen, euch Übersichten über die Grundimmunisierung im Welpenalter, die Core-Impfungen und die Non-Core-Impfungen zu erstellen, sodass ihr über die wichtigsten Impfungen für Hunde bekommt.

Hund impfen Grundimmunisierung bei Welpen

Grundimmunisierung der Welpen

Für die Grundimmunisierung eures Welpen gibt es ein Impfschema, welches wir euch kurz vorstellen wollen. Der kleine Welpe hat schon ein voll entwickeltes Immunsystem und bekommt mit der Muttermilch auch von seiner Mutter noch Antikörper geliefert. Deswegen sollte die Grundimmunisierung beim Welpen erst nach dem Abbau der mütterlichen Antikörper erfolgen. Daraus und aus den vorgeschriebenen und empfohlenen Impfungen ergibt sich ein Impfschema:

  • Staupe, Hepatitis und Parvovirose in der 10. 12. Lebenswoche
  • Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Leptospirose in der 14. – 16. Lebenswoche
  • noch einmal Leptospirose in der 18. 20. Lebenswoche
  • ein halbes Jahr nach dem Zahnwechsel kommt die Einzelimpfung gegen Tollwut

Das war es auch schon, was die Grundimmunisierung bei Welpen betrifft. Teilweise weichen diese Übersichten voneinander ab. SO gibt es auch ein Impfschema, welches schon in der 6. Lebenswoche beginnt. Dies ist aber nur notwendig, wenn es einen Grundverdacht dafür gibt, dass euer Hund schon frühzeitig von einer der Krankheiten heimgesucht werden könnte. Ein guter Tierarzt wird dies erkennen.

Weitere Impfungen, die häufig beim Welpen gemacht werden sind die gegen Zwingerhusten und Borreliose. Dies erfolgt oft in einer Kombi-Impfung. OB dies wirklich notwendig ist, könnt ihr selbst entscheiden. Geht ihr zur jährlichen Grippeimpfung, in der Hoffnung, dass genau der Virus aus den vielen unterschiedlichen in diesem Jahr auftritt? Genau dasselbe Prinzip ist es bei der Impfung gegen Zwingerhusten oder Borreliose. Wer sehr ängstlich ist und darauf vertraut, dass die Impfung gegen genau diesen Erregerstamm sinnvoll ist, kann das machen. Es ist aber keine Garantie gegeben, dass eine Abwandlung des Virus trotzdem zu Zwingerhusten führt.

Regelmäßige Impfungen (Core-Impfungen)

Verpflichtend sind in Deutschland die Impfungen gegen:

  • Staupe
  • HCC (Hepatitis contagiosa canis)
  • Leptospirose
  • Parvovirose und
  • Tollwut

Dies sind auch die Bestandteile der Grundimmunisierung für Hunde. Sie werden alle drei Jahre wiederholt. Wobei mittlerweile viele Tierärzte und Forscher davon ausgehen, dass Auffrischungsimpfungen gegen Hepatitis nicht mehr notwendig sind, wenn der Welpe sie in der 16 Lebenswoche bekommen hat. danach besteht ein lebenslanger Schutz. Die Impfung gegen Tollwut ist nur so lange gültig, wie es auf dem Beipackzettel des Herstellers steht. Sucht euch also am besten einen Tierarzt, der Tollwutimpfmittel verwendet , die einen dreijährigen Turnus erfordern, sodass euer Hund nicht zu häufig zum Tierarzt muss. So könnt ihr auch die Tollwutimpfung an die dreijährlichen Auffrischungen für Leptospirose, Staupe und Parvovirose koppeln.

Ist die Impfung gegen Leptospirose wirklich notwendig?

Auch bei der Leptospirose gibt es verschiedene Erreger und nicht gegen alle wirkt die Impfung. Neuere Impfstoffe decken mittlerweile nicht nur zwei, sondern vier Erregerstämme ab und schützen den Hund, und übrigens auch den Menschen, vor der Krankheit. Auch mit den neueren Impfstoffen besteht die Gefahr, dass euer Hund an einem anderen der 200 Untertypen erkrankt. Nicht zuletzt deswegen haben viele Besitzer beim Hunde impfen darauf verzichtet. In den letzten Jahren sind die Erkrankungen aber leider wieder massiv gestiegen, sodass wir euch die Impfung gegen Leptospirose doch wieder ans Herz legen wollen. Die Krankheit wird hauptsächlich durch den Harn von kleinen Nagetieren übertragen. Wer also mit seinem Hund viel im Wald und auf Wiesen unterwegs ist oder direkt einen Jagdhund besitzt, sollte sich mit seinem Tierarzt besprechen und die Impfung in Betracht ziehen.

Beschreibung der Krankheiten

Wenn wir hier schon mit Fremdworten um uns werfen, wollen wir die Krankheiten auch noch erklären, gegen die ihr euren Hund impfen sollt.

Staupe

Der Impfstoff gegen die Staupe wurde in den 1960er Jahren entwickelt. Vor der Immunisierung war die Staupe eine der verlustreichsten Krankheiten bei Hunden. Die krankheitserregenden Viren werden über Mund und Nase aufgenommen. Die Symptome wie auch der Verlauf können sehr unterschiedlich sein. Fieberschübe, Durchfall, Erbrechen und Nasen- oder Augenausfluss sind die ersten Symptome, gefolgt von Lungenentzündung, Gangstörungen, Muskelzittern und sogar einer Verhornung der Sohlenballen und des Nasenspiegels. Die Staupe endet meist tödlich. Die Staupe tritt meist bei jungen Hunden auf. Überleben sie die tödliche Krankheit, bleibt oft ein sogenanntes Staupe-Gebiss zurück. Dies sind bleibende Zahnschmelzdefekte.

Parvovirose

Auch die Parvovirose ist eine Viruserkrankung, die besonders für alte Hunde und Welpen gefährlich ist. Auch hier werden die Erreger über Mund und Nase aufgenommen. Gegen jegliche Desinfektionsmittel ist der Erreger immun. Die Krankheit zeigt sich mit Symptomen wie Fieber, Durchfall, der meist blutig ist und allgemeiner Abgeschlagenheit. Die Krankheit verläuft kurz und heftig und endet meist schon nach 48 mit dem Tod.

aggressiv bellender Hund Tollwut Symptome

Tollwut

Die Tollwut ist hochinfektiös, wird durch viele verschiedene Tierarten übertragen und endet tödlich- und das nicht nur für die Tiere, sondern auch für den Menschen. Deutschland gilt zwar als tollwutfrei, aber die Gefahr ist sehr hoch, dass immer wieder Erreger eingeschleppt werden. Verreist ihr mit eurem Hund, müsst ihr eine Tollwutimpfung nachweisen können. Die Viren werden über den Speichel verteilt. Das Ansteckungsrisiko ist also extrem hoch.  Sind die Hunde erkrankt, zeigt sich dies meist in einem besonders aggressiven Verhalten, Bissigkeit, lautem und andauerndem Bellen und einem gesteigerten Geschlechtstrieb. Später kommt es dann zu Lähmungserscheinungen und dem berüchtigten Schaum vor dem Mund. Oft liegen die Hunde fest, weil die Hinterbeine gelähmt sind.

Hepatitis

Bei der Hepatitis sprechen wir von der Ansteckenden Leberentzündung der Hunde ( Hepatitis contagiosa canis), die mittlerweile dank der konsequenten Impfung immer seltener auftritt. Die Hunde stecken sich durch den Kontakt mit Ausscheidungen erkrankter Tiere an. Auch bei der Hepatitis gibt es verschiedene Symptome und Krankheitsverläufe. Die Krankheit kann kurz und heftig mit Fieber beginnen und innerhalb weniger Stunden über Blutungen und Durchfall im Tod enden. Es gibt auch einen abgeschwächten Verlauf, der sich länger hinzieht und in unheilbaren Leber- und Nierenschäden endet. Die Impfung gegen HCC schützt auch gegen einen Stamm des Zwingerhustens, der dann etwas milder verläuft. Damit sind wir bei den optionalen Impfungen für Hunde angekommen, die wir euch noch auflisten wollen.

Optionale Impfungen für Hunde

Gegen welche Erkrankungen ihr euren Hund impfen lassen solltet und warum, haben wir nun ausführlich beschrieben. Wir wollen aber auch die optionalen, Non-Core-Impfungen, nicht vernachlässigen und stellen euch diese tabellarisch vor.

Impfung gegen… Wann erste Impfung? Die Krankheit
Zwingerhusten Ab der achten Lebenswoche Auslöser des Zwingerhustens sind viele verschiedene Erreger, von denen leider erst 4 durch die Impfung abgedeckt werden. Die Erreger werden durch die Luft über Tröpfcheninfektion verteilt. Die Krankheit äußert sich in einem trockenen Husten. Wie der Name schon sagt, leiden üblicherweise Hunde daran, die mit anderen auf engem Raum leben. Bei einem Haushund ist eine Impfung meist nicht erforderlich, abgesehen davon, dass nur ein minimaler Bruchteil der Erreger überhaupt bekämpft werden kann.
Borreliose Nach Absprache mit dem Tierarzt Borreliose ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Infektionskrankheiten. Hervorgerufen werden sie zumeist durch Zeckenbisse. Viele Tiere leiden bei dieser Impfung an Nebenwirkungen. Wirksame Zeckenschutzmittel sind die bessere Alternative. Einen Überblick zum Schutz vor Zecken beim Hund gibt es natürlich bei uns.
Piroplasmose Nach Absprache mit dem Tierarzt Piroplasmose ist eine Parasiten-Infektion, die vor allem in südeuropäischen Ländern durch Zecken übertragen wird. Die Krankheit verläuft tödlich.
Herzwürmer Nach Absprache mit dem Tierarzt Ähnlich wie bei der Piroplasmose, nur dass die Erreger durch Mückenstiche übertragen werden.

Puh, das ist jetzt doch alles ganz schön lang geworden. Aber es ist auch ein wichtiges Thema, über das man bescheid wissen sollte. Wir hoffen, ihr habt eine Menge gelernt und wir haben euch für das Thema Hund impfen sensibilisieren können. Natürlich ersetzt dieser Artikel keinen Tierarzt. Sprecht unbedingt mit dem Tierarzt eures Vertrauens über die Notwendigkeit der Impfungen und eben auch die Zeiträume, nach denen aufgefrischt werden sollte. Euer Hund soll doch solange wie möglich gesund bleiben. Habt ihr noch Anmerkungen oder positive wie negative Erfahrungen mit dem Impfen eures Hundes. Wir freuen uns über Kommentare!

 

Hund impfen – Welche Impfungen braucht mein Hund?
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